Alt+Jung Führung

Dieses Semester führte uns die Alt+Jung Führung zum Max-Planck-Institut für Physik (MPP). Das Besondere an dieser Führung war, dass sie eigentlich nur für Schüler angeboten wird, um den Schülern die Arbeit eines Wissenschaftlers im Bereich Physik näher zu bringen und sie dafür zu begeistern. Zu Beginn der Organisation sah es daher schlecht für uns aus: wir hatten uns bereits für ein nicht-physikalisches Studium entschieden und daher ist bei uns eigentlich alles zu spät.

Nach einiger Überzeugungsarbeit konnte jedoch vermittelt werden, dass auch wir – als Maschinenbauer, Elektrotechniker, Informatiker etc. – gerne mehr über die Arbeit an einem physikalischen Institut erfahren möchten. Mit dem Titel „Konstruktion in der Experimentalphysik“ wurde der Schwerpunkt der Führung weniger auf das Thema Physik gelegt und somit auf uns angepasst.

Doch was bedeutet dieses Thema eigentlich genau? Zu Beginn konnten sich die meisten von uns nicht so recht vorstellen, um was es denn bei einer Führung mit diesem Titel geht und was wir daraus mitnehmen können. Schnell wurde uns jedoch bereits beim einführenden Vortrag klar, dass das Max-Planck-Institut tatsächlich an vielen sehr spannenden internationalen Projekten beteiligt ist. Erstaunlicherweise scheint die internationale Zusammenarbeit auf der wissenschaftlichen Ebene ziemlich gut zu funktionieren. Dabei wird meistens die Welt im ganz Kleinen untersucht, um Rückschlüsse auf den Aufbau des Universums zu ziehen. Elementarteilchen und deren Zerfälle werden zum Beispiel beim ATLAS Experiment am LHC beobachtet. Mit den Experimenten soll herausgefunden werden, warum die Antimaterie nach dem Urknall langsam immer mehr verschwunden und was genau die Dunkle Materie und Dunkle Energie ist, aus welchen unser Universum zu 95% besteht. Oder es wird beispielsweise Strahlung aus dem Weltall mit gigantischen Teleskopen beobachtet.

Und genau bei diesen Projekten setzt die Arbeit von Ingenieuren in der Wissenschaft ein. Nach einer kleinen Einführung in die Geschichte und die Projekte der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und des MPP, erzählte uns ein Leiter der Fachabteilung Mechanik einiges über die Herausforderungen bei der Entwicklung und der Konstruktion von Teilchendetektoren und von neuen Teleskopen. Jedes Projekt ist für die Konstrukteure eine neue Herausforderung, denn die Projekte sind Spezialanfertigungen und wurden meist noch nie zuvor realisiert. Im Gegensatz zu einem Job in der Industrie, in dem meist Standardteile konstruiert werden, bietet die Tätigkeit am MPP somit mehr Abwechslung und Spielraum für Kreativität und kann eine spannende Alternative sein. In der anschließenden Führung durch die Bereiche der Konstruktion konnten wir Modelle, Zeichnungen von Bauteilen und Reinräume betrachten. Genial war auch die Verwendung von Schnellkochtöpfen als Druckbehälter in einem Aufbau. An solchen Beispielen konnten wir den Spielraum für Kreativität in diesem Bereich sehr deutlich sehen. Für einige von uns bot die Führung einige berufliche Anregungen und sie brachte uns dazu, auch über diesen Tätigkeitsbereich nachzudenken.

Eine Frage ließ uns jedoch während der Führung nicht los: was sagt uns diese Formel, die überall im Institut und auf den Broschüren zu sehen ist?

Δp + Δq ≥ (1/2)*h

Auf Nachfrage hin wurde unsere erste Vermutung, dass es sich dabei um die berühmte Heisenberg‘sche Unschärferelation handelt, bestätigt. Sie sagt aus, dass Geschwindigkeit und Ort eines Elementarteilchens zugleich nicht exakt bestimmt werden können. Dabei ist h das Planck‘sche Wirkungsquantum.

Nachdem auch diese Frage geklärt wurde und wir einen spannenden Einblick in die Arbeit von Konstrukteuren in der Wissenschaft erhalten haben, durften wir uns noch ein multifunktionales Tuch mitnehmen, welches als Schal, Kopftuch usw. verwendet werden kann. Natürlich ist auch auf dem Tuch die Heisenberg’sche Unschärferelation abgedruckt.

Wir bedanken uns herzlich beim Max-Planck-Institut für Physik für die auf uns zugeschnittene und äußerst interessante und lehrreiche Führung.