Besuch im Kernkraftwerk Isar

Am Dienstag, den 14.11.2017, machten wir uns auf zum Kernkraftwerk Isar (KKI). Zuvor hatte uns Bundesbruder Steinrück, der bis zum Jahr 2000 Kraftwerksleiter am KKI I war, den Kontakt zu Bernd Gulich, Assistent der Kraftwerksleitung und zuständig für die Kommunikation, hergestellt und uns dadurch die einmalige Möglichkeit für eine ganz besondere Besichtigung. Die Plätze waren aufgrund der hohen Sicherheitsbestimmungen begrenzt, das Interesse war groß.

In drei Autos starteten wir am Morgen bei dichtem Nebel in München und erreichten das Besucherzentrum des KKI gegen 10 Uhr. Dort wurden wir von Bundesbruder Steinrück und Herrn Gulich in einem Präsentationsraum bei Obst, Keksen und Getränken empfangen. Zur Einführung stellte uns Herr Gulich den Kraftwerksstandort anhand eines kleinen Films zum KKI I und einer Präsentation vor. Bereits 2014 wurde der Antrag auf Rückbau des Reaktors I gestellt, seit April 2017 wird der Reaktor nun rückgebaut. Es folgten Informationen zur Energiegewinnung aus Kernenergie und ein kurzer Überblick über die Stromerzeugung in Deutschland und über den Atomausstieg. Besonders die letzten beiden Themen erregten die Aufmerksamkeit der Aktivitas, die mit einigen Fragen dazu aufwartete und um einen „Blick in die Glaskugel“ der zukünftigen Energiezusammensetzung Deutschlands bat.

Im Anschluss an diese Einführung folgte die Besichtigung des KKI II, welches noch in Betrieb ist und zu den deutschen Kernkraftwerken zählt, die zuletzt (Ende 2022) abgeschaltet werden. Doch bis wir den Kern des Kraftwerks erreichten war es noch ein langer Weg. Zunächst musste eine Kontaminierung der Aktivitas ausgeschlossen werden, wozu wir von einer netten Damenstimme in einen entsprechenden Apparat gelockt wurden. Nachdem zu unserem Glück keine Kontaminierung festgestellt werden konnte, wurden unsere Personendaten und Ausweise kontrolliert, Besucherausweise ausgestellt und wir mussten uns einer flughafenähnlichen Kontrolle unterziehen. Ausgerüstet mit einem Helm und begleitet von vier Mitarbeitern des Kraftwerks hatten wir die erste Sicherheitshürde geschafft.

Dann folgten eine zweite flughafenähnliche Kontrolle und die Speicherung von Bildern. Endlich konnten wir die unvorstellbar dicken Türen zum Inneren der Kraftwerkskuppel mit 1,80m starken Betonwänden passieren. Dort wurden wir mit Überzügen für unsere Schuhe, weißen Overalls und einem Dosimeter ausgestattet. Noch ein paar kleinere Checks, dann wurden wir in das Zentrum des Kraftwerks eingeschleust – dem Kontrollbereich, in dem sich nur maximal 30 Leute aufhalten dürfen. Mit einer hohen Geräuschkulisse und Temperaturen um die 30 Grad Celsius stiegen wir einige Treppen zu einer Plattform hinauf und durften endlich in das tiefe Blau eines Kraftwerkbeckens schauen. Da der Reaktor im Betrieb war, war dieser aber natürlich unter uns verschlossen. Nachdem uns Herr Gulich weitere interessante Informationen gegeben hat und wir verschiedene Fragen dazu stellten, verließen wir den Kontrollbereich wieder. Doch bevor wir den Reaktor ganz verlassen konnten, mussten wir uns natürlich auf Kontamination testen lassen. Die meisten Dosimeter zeigten 0 Mikrosievert an, zwei jedoch jeweils 1 Mikrosievert. Dies war jedoch kein Grund zur Sorge. Zum Vergleich liegt die Belastung auf einem Flug in die USA bei ca. 50-60 Mikrosievert. Anschließend folgte die Überprüfung mithilfe zweier Detektoren, die wir alle mit dem Ergebnis „Keine Kontamination“ verlassen durften.

Nachdem wir die Overalls wieder abgelegt hatten, führte uns unsere Tour noch durch weitere Bereiche des Kraftwerks, wie des erneut sehr warmen Generatorraums, dessen Dimensionen sehr beeindruckend waren. Es folgten zudem interessante Informationen zu Sicherheitsmaßnahmen. Anschließend versammelten wir uns wieder im Besucherzentrum, wo uns Gulaschsuppe und belegte Semmeln erwarteten. Nach dieser Stärkung verabschiedeten wir uns von Bundesbruder Steinrück und Herrn Gulich und traten unsere Heimreise bei besseren Sichtverhältnissen an. Alle waren wir fasziniert von dem, was wir an diesem Tag sehen und erfahren durften. Und der ein oder andere bekam eine neue Sicht auf die Erzeugung von Strom durch Kernkraft.

Wir möchten uns sehr herzlich bei Bundesbruder Steinrück für die Ermöglichung dieser einmaligen Möglichkeit bedanken! Unser besonderer Dank geht an Herrn Gulich und an unser Begleitpersonal für ihre aufgewandte Zeit, die Organisation des Tages, die spannenden Informationen und die Verpflegung!